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Los geht’s, mit einem Klick landest du mitten in der spukhaften Erzählwelt.

Lies das folgende Kapitel aus dem Roman »Spukhafte Fernwirkung« und nimm es als Ausgangspunkt für deinen eigenen Text. Durch Klick auf den Button hat Du viermal die Möglickeit einen neuen Textausschnitt anzufordern.

11:03 Uhr
Das Gute

Menschlichkeit zum Beispiel, denkt Valentina und zupft eines der Rucolablätter, das am Rand schon ein bisschen gelblich ist, aus der Tupperschüssel. Menschlichkeit ist der Grund, warum Valentina sich ihren Beruf damals ausgesucht hat: weil sie etwas vermitteln wollte. Etwas Gutes vermitteln, vielleicht das Gute überhaupt. Wie es Generationen vor ihr vermittelt haben. Zum Beispiel die Verlagsgründerin. Eine Frau! Der Mann kam bei einem Flugzeugunglück um und ließ sie mit fünf Kindern und dem Verlag zurück. Er hinterließ sie. Sie suchte sich einen erfahrenen Zeitungsmacher, den sie später heiratete, und führte mit ihm die Zeitung durch so manche Krise.

Gerade als Frau, denkt Valentina, hat man ja die Chance, auch die mütterlichen Anteile auszuleben, Männer haben halt keine mütterlichen Seiten, also können sie sie auch nicht ausleben. Sie sollten sich dann aber wenigstens auf ihre väterlichen Seiten besinnen, sonst gewöhnt man sich an die Kälte, die in bestimmten Etagen herrscht, und trägt sie mit ins eigene Leben hinein, und wird selbst kalt und einsam und verbittert. Und das wirkt sich aus!

Valentina denkt gleich an Mr. Mchay, aber gleichzeitig verbietet sie es sich, in diesem Zusammenhang an Mr. Mchay zu denken, das ist despektierlich, und wenn sie die despektierlichen Gedanken erst einmal zulässt, da schiebt sie lieber gleich einen Riegel vor. Mr. Mchay, denkt sie, ist kein schlechter Mensch. Basta. Er kann seine Gefühle nicht zeigen, was aber nicht heißt, dass er keine hat. Man muss fair bleiben, denkt Valentina. Der Rucola ist fast alle, und Valentina schließt den Deckel der Tupperbox, jetzt hat sie erst richtig Hunger bekommen, deshalb überlegt sie, ob sie sich später in der Kantine noch eine Nachspeise holen soll. 200 Kalorien mehr oder was so eine Nachspeise hat, kann sie sich eigentlich leisten, zumal sie nach der Arbeit noch zum Workout will, aber wenn sie das erstmal einreißen lässt.

09:06 Uhr
Asbest

Olga ist zurück. Mit ihrem großen blauen Koffer steht sie am Busbahnhof und schaut in ihrer App nach, welchen Bus sie nehmen muss. Es ist die Linie 22. Sie versucht sich an die Stadt zu erinnern, aber sie erinnert sich kaum. Eigentlich gar nicht. Nur die breite Straße, die die Innenstadt wie eine Achse in zwei Hälften schneidet, kommt ihr bekannt vor, denn breite Straßen, die eine Stadt wie eine Achse durchschneiden, gibt es überall. Olga steigt in den Niedrigflurbus ein, sie stemmt ihren Koffer hoch, er ist ganz schön schwer. Während der Fahrt zieht er Richtung Tür wie ein aufgeregter kleiner Hund. Als eine Fahrkartenkontrolleurin kommt, zeigt Olga ihre Fahrkarte in der App, die sie noch während der Zugfahrt installiert hat. Die Frau nickt ihr freundlich zu und geht weiter. Olga fühlt so etwas wie Stolz, als ob sie einen Test mit Bravour bestanden hätte. Eine Station nach dem Europazentrum steigt sie aus. Sie erinnert sich vage an das Einkaufszentrum, das damals, als sie die Stadt verließ, wegen Asbest geschlossen wurde. Da in der Nähe wohnt sie jetzt.

12:32 Uhr
Kreislauf der Liebe

Susana trifft sich mit Karlo zum Essen, wie immer treffen sie sich in der kleinen Spaghetteria im Einkaufszentrum gegenüber, sie kann sich nicht vorstellen, mit Karlo woanders zu essen, und auch Karlo kann es sich nicht vorstellen. Ihre Mutter und Karlo haben sich getrennt, als Susana noch ganz klein war, sie hat ihn immer Karlo genannt, nie Papa, nur anderen gegenüber hat sie ihn Mein Papa genannt.

Sie liebt Karlo, wie sie Mama liebt, und Karlo liebt sie, wie ihre Mutter sie liebt, nur Mama und Karlo lieben sich nicht mehr. Doch der Kreislauf der Liebe hat eigene Wege gefunden und wie bei einem verstopften Gefäß selbstständig eine Umleitung hergestellt. Immer hat Karlo sich zuverlässig um Susana gekümmert, hat sie vom Kindergarten und von der Schule abgeholt, an den Wochenenden sind sie in den Zoo, ins Kindertheater, ins Schwimmbad und später ins Museum gegangen, weil Susana sich schon immer gerne Bilder angeschaut hat, und Karlo ist mitgegangen und hat gelernt, wie man sich Bilder im Museum anschaut; er hat sogar an Workshops teilgenommen, in denen Kunst vermittelt wurde, um Susana mit Rat zur Seite stehen zu können. Warum ist das Haus schief, warum wächst der Frau ein Bügeleisen aus der Schulter, warum ist das Pferd blau, warum steht alles auf dem Kopf. Karlo weiß so etwas auch nicht, aber er hat sich immer Mühe gegeben, sich dieses Wissen anzueignen, auch wenn Susana seine Antworten oft etwas unzureichend fand. Aber er war nunmal ihr Vater, also fand sie sich damit ab. Mittlerweile geht sie lieber allein ins Museum, und Karlo atmet auf – was er allerdings nie zugeben würde. Lass uns mal wieder ins Museum gehen, sagt Karlo, nachdem sie beide ihre Lieblingsspaghetti bestellt haben, nämlich Spaghetti Diavolo, und Susana sagt, ja gerne, und schaut ihn irgendwie streng an, aber Karlo weiß nicht, ob er sich das nicht nur einbildet. Auch Susanas Mutter hat ihn manchmal eingeschüchtert.

14:27 Uhr
Lacky-X

Die Buchhandlung ist fast leer. Im vorderen Teil liegen Zeitschriften, Ratgeber und Mangas aus, in der Mitte neben den Schulbüchern gibt es eine mit rotem Leder bezogene Sitzecke, in der man Hörbücher hören und ausgemusterte CDs für 2 Euro kaufen kann. Dort sitzt eine Kundin und liest ein Buch über Verschränkung, Zufall und Überlagerung. Bei den Klassikern halten sich zwei weitere Personen auf. Die Kundin auf der Sitzecke hebt plötzlich den Kopf und schaut irritiert. Als müsste sie sich versichern, in welcher Zeit sie sich befindet – in der innerhalb oder außerhalb ihres Gehirns. Keiner kann ihre Frage beantworten, die beiden anderen sind still versunken in ihre Bücher, von denen sie nicht wissen, ob sie sie kaufen werden. Die Bücher müssen eine Entscheidung treffen.

Was interessiert dich am meisten an dieser Szene? Eine der Figuren? Der Ort? Ein bestimmtes Wort? Es kann auch sein, dass du einfach nur ein Gefühl ausdrücken möchtest, eine Stimmung, die dich bewegt. Oder etwas, das du beobachtet hast und dich vielleicht schon länger beschäftigt. Es wartet nur darauf, von dir ausgedrückt zu werden.

BEREIT?

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Was ist ihr Problem?

Und nun nur noch zu Dir: